Lebenslauf
Leo wurde am 4. Dezember 1911 in Nürnberg geboren.  Seine Familie führte seit Generationen ein Dekorationsgeschäft in Nürnberg. Leos Grossvater Konrad Birkmann hatte das Geschäft in der Veillodter Strasse, wo er mit seiner Frau Pauline (geb. Schuh) wohnte.  Leos Vater Fritz Birkmann führte das Geschäft weiter.  Circa 1930 zog Fritz mit seiner Frau Madlon "Lona" (geb. Schorr), Leos Mutter, und Leo in den Vorort Reichelsdorf. 
Leo lernte Martha "Helene" Liebert auf einem Gesellschaftsabend beim Obst- und Gartenbauverein im Jahre 1933 in Wolkersdorf kennen.  Leos Mutter Lona verstarb im Oktober 1934.  Die Vermählung war im April 1935 im engen Familienkreis.  Helene zog im Hause Birkmann in Reichelsdorf ein, wo sie beide bis 1973 lebten. (Foto rechts:  Helene als junges Mädchen mit ihren Eltern Elise und Theodor Liebert.)


Helene übernahm eine grosse Verantwortung mit Haushalt und Geschäftsführung.  Sie wurde beauftragt, die Bücher zu führen, Rechnungen, Kostenanschläge zu schreiben, ausfahren und zu kassieren, und die Löhne für Gehilfen im Sommer zu berechnen. Dazu führte sie ganz 'nebenbei' den Haushalt. Es gab auch einen grossen Garten, der wichtig für den Lebensmittelvorrat war, denn in Reichelsdorf war damals noch kein Lebensmittelladen.

Nachdem Leo seine Meisterprüfung abgelegt hatte und im elterlichen Geschäft mitarbeitete, nahm er zusätzlich Kurse auf der Kunstschule in Nürnberg unter Andreas Gering und Hermann Gradl.

Am 10. April 1938 wurde Sohn Fritz "Thilo" geboren. Thilo sah seinen Vater kaum während seiner frühen Kindheit, da Leo zwischen 1940 and 1946 grösstenteils entweder im Wehrdienst oder in Gefangenschaft war.  Dieses (Foto links) von Ehefrau Helene und Sohn Thilo wurde 1945 aufgenommen und nach Reims ins Gefangenenlager geschickt, gleich nachdem Helene das erste Lebenszeichen ihres seit 1944 verschollenen Mannes erhielt. .
Am 11. April 1940 wurde der 28-jährige Leo in die Reichsarmee eingezogen.   Jedoch der Krieg konnte Leo nicht davon abhalten, eine Anzahl von beeindruckenden Meisterwerken zu schaffen, die nun 60 bis 70 Jahre später zum Vorschein gekommen sind.

Eine Seite wurde speziell für seine Schaffenszeit während des 2. Weltkrieges gewidmet.
Nach der Entlassung vom Kriegsgefangenenlager kehrte Leo 1946 zu seine Familie zurück. Nach der Erholung von den jahrelangen Strapazen widmete er sich ausschliesslich der Kunst und begann eine Schaffensperiode mit Höhepunkt circa 1950 bis 1970.  

Prominente Bürger der Stadt Nürnberg, die sich in der Nachbarschaft in Reichelsdorf angesiedelt hatten, wie Z.B. Herr Hesselberger, der Direktor Bundesbahnstation Nürnberg, und der Rechtsanwalt Kern beauftragten Leo mit Portraits. Zusätzlich wurde Leo Mitglied in verschiedenen Künstlerkreisen in der Stadt Nürnberg, z.B. Künstlerklause, Berufsverband freier Künstler Nürnberg [BBK], Der Kreis (Künstlergruppe).

Ehefrau Helene berichtete in einem Schreiben an das Stadtgeschichtliche Museum: 

"Sein weiteres Schaffen war sehr vielseitig, da er mit den handwerklichen Techniken sehr vertraut war.  Seine damaligen Auftraggeber waren bedeutende Architekten und Behörden.  So z.B. Prof. G.G. Dittrich, Herr Maische, Das Hochbauamt der Deutschen Bundesbahn (hier war er als Farbberater tatig), das Hochbauamt Nürnberg, die LVA, um nur einige zu nennen.  In dieser Zeit entstanden Wandmalereien, Sgraffitos, Glasmosaike, Eisenplastiken und sogar Freiplastiken in Nürnberg, Würzburg und Bayreuth." Das ermöglichte berufliche Verbindungen und die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie z.B. mit Leo Smigay, dem Gründer des 'Kreis' in 1947, und mit Helle Rossner-Böhnlein, die mit Leo Smigay und Leo Birkmann jahrelang im Vorstand des BBK diente".

Professor Gerhard G. Dittrich (Porträt rechts) war der Gründer des BBK und ein prominenter Architekt der Stadt Nürnberg.  Auch für seinen Sohn Reiner Dittrich beauftragte er ein Porträt .  Der Ehefrau Helene haben wir zu verdanken, dass zumindest Fotos in scharzweiss dieser Werke erhalten geblieben sind.
(Foto des Sohnes irrtümlich beschriftet.  Es stellt den Sohn Reiner R. Dittrich dar.)

Besuchen Sie unsere Galerie 1 zur Betrachtung von weiteren Porträts.
    

Die beruflichen Verbindungen bieteten Gelegenheiten zu Aufträgen bei Bauprojekten auf Stadt und Land. Es förderte sein Ansehen als Kunstmaler und Bildhauer in Nürnberg, Fürth, Bayreuth, Würzburg, Schwabach und in einer weiteren Anzahl von Kleinstädten, wie z.B. Georgensgmünd.

Leo brachte oft eine Skizze oder Miniaturausgabe seiner Vorschläge zum Verhandlungstisch, bevor er den Auftrag offiziell annahm.  Seine Prestigeprojekte waren fast ausschliesslich abstrakte Werke.

Betrachten Sie seine Galerie der Skulpturen und die Galerie der Mosaiken, um einen Überblick zu bekommen.
Dem Gebrauch und den Erwartungen der Familie nach sollte Sohn Thilo seinen Lehrgang als Malermeister hinterlegen. Das Geschäft 'Fritz und Leo Birkmann Dekorations-Malermeister' war immer noch im Gange Mitte der Fünziger Jahre.

Thilo bestand die Gesellenprüfung 1955, aber leider konnte er den chemischen Geruch der Farbe nicht vertragen und es wurde klar, dass dies für ihn auf die Dauer nicht in Frage kam.

Im Jahre 1957 heirate Thilo die bezaubernde Olga, Tochter von Friederike und Karl Briegel aus Eibach. Um die neue Familie mit Tochter Helen zu unterstützen, zu der sich später Schwester Anita gesellte, arbeitete Thilo stattdessen als Elektromechaniker und später als Heimlieferant für die örtliche Bäckerei.
Leos Vater Fritz ging Ende der Fünziger in den Ruhestand. Leo hat sich mittlererweile als gesuchter Künstler etabliert, gab das Dekorationsgeschäft langsam, aber sicher auf, und widmete sich ausschliesslich seinem künstlerischen Schaffen.


Leo malte Alpenlandschaften, Landschaften in Frühlings- oder Herbstlaub, Landschaften mit oder ohne Gewässer im Blickpunkt, mit oder ohne Schnee, Impressionen aus dem ländlichen Nordbayern, speziell:  Mittelfranken.  Das hing ganz von der Vorzug der örtlichen Kunstgalerien ab, die sich nach den Geschmack ihrer Kunden richteten. 

Diese Aufträge bieteten ständiges Einkommen—"Kunst für Jedermann"—wie die Gattin Helene betonte. Deshalb wurden die oben bezeichneten Werke oft mit Pseudonymen unterzeichnet, die sich auf Verwandte oder Leos 1. Vornamen bezogen: Konradi, Rohmer, Liebert. Sie wurden in Grössen von circa 20 x 30 cm auf Leinwand in Öl abgefertigt.

Die oben abgebildeten Werke sind Miniaturen auf Holz, circa 10 x 15 cm.   Man sieht, wie Leo diese detaillierten Werke mit Pinsel oder Palettennmesser und mit Öl oder Wasserfarbe herstellte.

Besuchen Sie die Galerie der Landschaften als weitere Beispiele für Leos Vielfätigkeit.
Anfang der Siebziger Jahre erfasste Leo eine gewisse Unruhe. Gattin Helene berichtete in einem Schreiben an die Enkelin Helen, dass eine Rezession in Deutschland eintraf, die das Paar zwang, an ihre Reserven zu greifen. Sie beschlossen, das Grundstück mit Bungalow in Reichelsdorf zu verkaufen und nach Garmisch Partenkirchen umzuziehen.

Da in so vielen Motiven von Leos Werken Alpenlandschaften der Mittelpunkt waren, ist das keine  Überrraschung. 

Spätere Entscheidungen trafen auf den Ort Ainring bei Mitterfelden, nahe Freilassing. Leo und Helene verbrachten ihre letzten Tage zusammen in dieser fabelhaften Landschaft. Dieses Foto wurde an Helenes Geburtstag am 8. August 1983 aufnommen, nur circa zwei Wochen bevor Leos Versterben.

Helene blieb weiterhin in Ainring und verbrachte ihren Lebensabend im Kurstift Mozart, bis sie im März 2006 verstarb.